Kurzantwort: Die Eigenkapitalrendite ist nur dann aussagekräftig, wenn du klar sagst, welche Bestandteile du einrechnest. Cashflow, Tilgung, Wertänderung und Steuern beantworten unterschiedliche Fragen.
- Ohne saubere Definition ist Eigenkapitalrendite kaum vergleichbar.
- Leverage kann die Rendite erhöhen – und das Risiko genauso.
- Tilgung ist Vermögensaufbau, aber keine frei verfügbare Liquidität.
- Wertsteigerungen sollten nicht als sichere Größe unterstellt werden.
- Basis-, Stress- und Exit-Szenario sind Pflicht.
Viele rechnen mit einer einzigen Renditezahl, obwohl sie eigentlich mehrere verschiedene Dinge meinen. Genau deshalb wird die Eigenkapitalrendite oft überschätzt oder falsch verglichen. Wenn du mit Immobilien investierst, solltest du zuerst definieren, welche Renditefrage du beantworten willst.
1. Was die Kennzahl eigentlich misst
Die klassische Eigenkapitalrendite setzt einen jährlichen Erfolg ins Verhältnis zum eingesetzten Eigenkapital. Die Herausforderung liegt im Zähler: Rechnest du nur den laufenden Überschuss? Nimmst du Tilgung dazu? Fließt eine Wertänderung ein? Je nach Definition entstehen völlig unterschiedliche Ergebnisse.
Für die Alltagspraxis haben sich drei Sichtweisen bewährt:
- Cash-on-Cash: laufender Überschuss im Verhältnis zum Eigenkapital,
- erweiterte Eigenkapitalrendite: Cashflow plus Tilgung,
- Gesamtsicht: Cashflow, Tilgung und realistische Wertänderung beziehungsweise Exit.
2. Warum Cashflow und Tilgung getrennt werden müssen
Ein häufiger Fehler: Tilgung wird wie eine frei verfügbare Einnahme behandelt. Das ist sie nicht. Tilgung baut Vermögen auf, belastet aber gleichzeitig deine Liquidität. Deshalb ist es sinnvoll, den laufenden Cashflow separat zu betrachten. Wenn du den Zahlungsstrom besser verstehen willst, lies auch Cashflow einer Immobilie berechnen.
3. Die Hebelwirkung von Fremdkapital
Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite erhöhen, wenn die Objektrendite nach Kosten oberhalb der Finanzierungskosten liegt. Der gleiche Hebel wirkt aber auch negativ, wenn Mieteinnahmen ausfallen, Kosten steigen oder Anschlusszinsen höher liegen. Eine hohe Eigenkapitalrendite ist deshalb nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal – manchmal ist sie einfach nur das Ergebnis eines hohen Risikos.
4. Welche Kosten in die Rechnung gehören
Zur sauberen Berechnung gehören mindestens: Kaufpreis, Erwerbsnebenkosten, anfängliche Sanierung, Mieteinnahmen, nicht umlagefähige Kosten, Instandhaltung, Verwaltung, Finanzierungskosten und Reserve. Wer wichtige Positionen auslässt, produziert keine gute Rendite, sondern eine geschönte Zahl. Für den Vergleich ist es außerdem hilfreich, die Nettomietrendite zusätzlich zu betrachten.
5. Beispielhafte Denklogik statt Fantasiewert
Wenn du 80.000 € Eigenkapital einsetzt und der jährliche Überschuss nach laufenden Kosten und Finanzierung 4.000 € beträgt, liegt die Cash-on-Cash-Rendite bei 5 %. Kommen 3.000 € Tilgung dazu, erhöht sich die erweiterte Sicht auf 8,75 %. Das zeigt, wie stark die Definition die Zahl verändert. Eine nicht realisierte Wertsteigerung solltest du nur vorsichtig und nie als sichere Liquidität betrachten.
Wenn du mit mehreren Szenarien arbeiten willst, kann ein Renditerechner für Immobilien hilfreich sein – vorausgesetzt, du fütterst ihn mit realistischen Annahmen.
6. Die drei Pflichtszenarien
- Basisszenario: realistische Standardannahmen.
- Stressszenario: höhere Kosten, Leerstand, Zinsanstieg oder verzögerte Maßnahmen.
- Exit-Szenario: Was bleibt bei Verkauf nach Restschuld, Kosten und möglicher Steuer übrig?
Fazit
Eigenkapitalrendite ist eine nützliche Kennzahl – aber nur, wenn du sie präzise definierst. Gute Investoren schauen nicht auf eine einzige schöne Zahl, sondern auf Liquidität, Risiko und Tragfähigkeit. Je sauberer die Rechenbasis, desto besser die Entscheidung.
FAQ
Ist Tilgung Rendite?
Sie erhöht dein Vermögen im Objekt, ist aber keine frei verfügbare Liquidität. Deshalb solltest du Tilgung getrennt vom Cashflow ausweisen.
Ist eine hohe Eigenkapitalrendite immer gut?
Nein. Sie kann auch durch hohen Fremdkapitaleinsatz und damit höheres Risiko entstehen.
Welche Kennzahl sollte ich zusätzlich anschauen?
Mindestens Cashflow und Nettomietrendite. Erst die Kombination ergibt ein belastbareres Bild.
Quellen und Prüfstand
Redaktionell geprüft: 18. September 2026. Marktwerte, Mieten und Finanzierungskonditionen sind stets objekt- und zeitabhängig.
