Wie viel Eigenkapital brauchst du wirklich für den Hauskauf?

von Falk Herrmann 3 Min. Lesezeit
Wie viel Eigenkapital brauchst du wirklich für den Hauskauf?

Kurz gesagt: Als solide Faustregel gelten 20 bis 30 Prozent der Gesamtkosten als Eigenkapital – mindestens aber so viel, dass die kompletten Kaufnebenkosten (9 bis 12 Prozent) daraus bezahlt werden können. Je mehr du einbringst, desto niedriger dein Zins, desto kleiner deine Rate und desto robuster dein gesamtes Projekt.

Warum die Bank Eigenkapital so hoch belohnt

Der Zinssatz deiner Finanzierung hängt maßgeblich vom Beleihungsauslauf ab – dem Verhältnis von Darlehen zum Objektwert. Banken kalkulieren in Stufen (z. B. bis 60 %, bis 80 %, bis 90 %, über 100 %): Jede Stufe weniger Fremdkapital bedeutet einen spürbar besseren Zins, weil das Ausfallrisiko der Bank sinkt. Eigenkapital wirkt also doppelt: Es verkleinert das Darlehen und verbilligt jeden verbleibenden Euro Schulden.

Die drei Eigenkapital-Niveaus im Vergleich

Niveau Was es bedeutet Einschätzung
Nur Nebenkosten (~10 %) 100%-Finanzierung des Kaufpreises machbar, aber teuer – nur mit sehr sicherem Einkommen
20–30 % der Gesamtkosten klassische, solide Finanzierung guter Zins, tragbare Rate, Puffer fürs Leben
40 % und mehr Komfortzone Top-Konditionen; prüfe, ob ein Teil des Geldes anderswo mehr bewirkt

Was alles als Eigenkapital zählt

  • Guthaben auf Tagesgeld-, Festgeld- und Girokonten
  • Wertpapierdepots – Banken setzen wegen Kursschwankungen oft einen Sicherheitsabschlag an
  • Zuteilungsreife Bausparverträge und Lebensversicherungs-Rückkaufswerte
  • Ein bereits bezahltes Baugrundstück (beim Neubau bares Eigenkapital)
  • Schenkungen oder Privatdarlehen aus der Familie – sauber dokumentieren!
  • Anerkannte Eigenleistung („Muskelhypothek“): realistisch ansetzen, Banken akzeptieren meist nur begrenzte Beträge mit Nachweis handwerklicher Fähigkeit

Der Fehler, den fast alle machen

Das gesamte Ersparte in den Kauf zu stecken fühlt sich diszipliniert an – und ist gefährlich. Heizung, Dach oder Jobverlust fragen nicht, ob gerade Geld da ist. Behalte deshalb immer einen Notgroschen von mehreren Monatsausgaben außerhalb der Finanzierung. Eine Immobilie ohne Liquiditätsreserve ist kein Vermögenswert, sondern ein Klumpenrisiko.

Zu wenig Eigenkapital? Deine Optionen

Option 1: gezielt weitersparen – mit klarem Budget geht das schneller als gedacht (die Methoden aus dem Beitrag Nebenkosten beim Hauskauf zeigen dir, wofür du sparst). Option 2: kleineres Objekt oder andere Lage. Option 3: die Vollfinanzierung – mit allen Risiken, die der verlinkte Artikel ehrlich benennt.

Wie Eigenkapital, Rate, Zins und Laufzeit konkret zusammenspielen, rechnet die Immobilien-Bibel aus dem ImmoFix-System an durchgängigen Beispielen vor – damit du im Bankgespräch nicht nur zuhörst, sondern mitredest.

Häufige Fragen

Reichen 10 Prozent Eigenkapital?

Damit lassen sich meist gerade die Kaufnebenkosten decken – die Bank finanziert dann den vollen Kaufpreis. Möglich ist das bei guter Bonität, aber teurer als mit 20 oder 30 Prozent Eigenkapital.

Zählt mein Bausparvertrag als Eigenkapital?

Ja – ebenso wie Tagesgeld, Wertpapiere (mit Abschlag), ein bereits bezahltes Grundstück, Schenkungen aus der Familie und anerkannte Eigenleistung. Wichtig ist, dass die Mittel zum Kauf verfügbar oder beleihbar sind.

Sollte ich mein gesamtes Erspartes einbringen?

Nein. Behalte immer eine eiserne Reserve von mehreren Monatsausgaben zurück. Ein Haus ohne Notgroschen ist ein Risiko auf vier Wänden.

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Die Inhalte dieses Beitrags dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Rechts-, Steuer-, Finanzierungs- oder sonstige Fachberatung.

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